Körperbild gegenüber Gesundheit: Was manche Menschen dabei falsch verstehen

Ein Bereich, in dem heutzutage sehr viel in die falsche, ja leider in eine völlig unnatürliche Richtung geht, ist die Figur. Der Körper ist nicht nur bei Frauen zum wichtigsten Maßstab und Vergleichsobjekt geworden. Auch bei Männern steigt der Druck gewaltig. Heute geht der Trend eindeutig zu immer mehr Fitness. Auch in Deutschland kennt der Fitness-Hype keinerlei Grenzen mehr und ist dabei sich zu einem wahren Fitness-Wahn zu entwickeln.

Für manche Menschen kann das Training in einen ständigen Kampf um den idealen Körper ausarten. Gerade junge Frauen, aber auch immer mehr Männer, übertragen ihre hohen Ansprüche an sich selbst auf das Training und wollen über ihre Leistung Anerkennung erzielen.

„Mach dich breit“ oder auch „die Sorge vor dem Dünnsein“ – so könnte man zum Beispiel das neue, gängige Schönheitsideal bei jungen Männern beschreiben, bei dem das Leben rigoros dem Muskelwachstum gewidmet wird und das genauso unrealistisch wie das der Mädchen ist. Der hypermuskulöse Mann hat sich überall in der westlichen Welt als der neue Standard etabliert und Jungs im Alter von zwölf bis 18 sind heute von ihrem Körperbild gestresster, als gleichaltrige Mädchen. Das Ziel, möglichst schnell große Muskeln aufzubauen kann mit normalem Training und normaler Ernährung natürlich nicht erreicht werden und so nehmen die jungen Männer mindestens 5000 bis 6000 Kalorien zu sich und gehen, oft unter der Zuhilfenahme von Anabolica, sechsmal in der Woche ins Fitnessstudio. Beim männlichen Äquivalent zur Magersucht, der sogenannten Muskelsucht, im Fachjargon Muskeldysmorphie sind die Patienten maximal muskulös, trainieren sich aber regelrecht kaputt, weil sie sich im Spiegel als zu dünn wahrnehmen. Experten sprechen hier auch von Sport-Bulimie (Bulimia athletica) und Sport-Magersucht (Anorexia athletica). Betroffene erbrechen oder hungern nicht, sondern trainieren sich die lästigen Kalorien einfach ab.

Ein anderer Trend geht zwar nicht unbedingt in die entgegengesetzte Richtung, ist aber genauso unrealistisch. Nachdem in den letzten Jahren hauptsächlich das Idealmaß „groß, schlank und sportlich“ galt, stehen zwar auf der anderen Seite Frauen heute immer mehr zu ihren Rundungen. Aber auch daraus hat sich ein weiterer bedenklicher Figurtrend entwickelt: der „XXL-Po“ – das Hinterteil, das zuvor mit allen Mitteln versucht wurde, möglichst klein zu halten, kann auf einmal nicht mehr groß genug sein. Auf den Hype um die Brust-OPs ist nun der Run auf die Po-Implantate gefolgt.

Eindeutig gesundheitsschädigend ist auch der Trend, sich selbst zu blass, beziehungsweise zu braun zu finden. Während uns die schädlichen Folgen von Solarien größtenteils bewusst sind, ist das wichtigste Geschäft hier jedoch die Menschen weiß zu machen. Mit Hautbleichmitteln, die zum Teil nicht nur ätzend, gesundheits- und umweltgefährdend, sondern auch krebserregend sind, wird heute mehr Geld umgesetzt als mit Bräunungs- und Sonnenschutzprodukten. Der Trend geht so weit, dass sogar Kinder in psychologischen Tests weißer als schöner einschätzen.

Immer größer wird auch der Trend jung zu sein. Jungsein gilt inzwischen, ebenso wie fit zu sein, als Leistung. Obwohl die Menschen im Durchschnitt immer länger leben, will niemand alt sein. Immer mehr Menschen wollen die Zeichen der Zeit um jeden Preis bekämpfen. Aber irgendwann kann man die biologische Uhr natürlich nur noch mit Medizin überlisten und so hat sich die Zahl der Schönheitseingriffe, nicht nur bei den Prominenten, in den letzten Jahren deutlich gesteigert.